In den letzten Jahren habe ich viel als Polizeireporter rund um Hannover und, in meinen Anfängen, in Hamburg gesehen. Für einen blutigen Amateur wie mich damals, war der Start in der Fotobranche als Polizeireporter eigentlich gar nicht so schlecht. Gerade das manuelle Fotografieren in der Dunkelheit führt einem sichtbar die Zusammenhänge von Blende und Zeit vor Augen. Doch hat der Job als Polizeireporter auch seine Schattenseiten, die für mich erst nach einigen Jahren so richtig ihre Wirkung zeigten…


Unfall auf der A2 (dies war ein Golf 2!): Die Fahrerin starb nach der Kollision mit zwei Lastwagen.
Zunächst der klare Vorteil: Man lernt, sich schnell auf neue Situationen einzustellen und diese fotografisch umzusetzen. Und lernt auch, beharrlich und ausdauernd zu werden. Wer mal bei Eiseskälte tief in der Nacht vier Stunden draußen bei einem Einsatz gestanden hat während andere im kuscheligen Bett schliefen, weiß sicherlich, was Ausdauer bedeutet. Und das übrigens für gerade mal knapp 30 bis 50 Euro, bei kleinen Lokalzeitungen auch wesentlich weniger für ein Foto (ab 7 Euro)…


Feuer in einer Scheune
Doch bei allen Lerneffekten darf nicht vergessen werden, dass man geballt mit den Schattenseiten des Lebens zu tun bekommt und sich das Bild des Lebens krass verzerrt. Das ist eigentlich der Hauptgrund, warum ich mich aus diesem Bereich mehr und mehr zurückgezogen habe. Alleine im Laufe eines Jahres habe ich inzwischen bis zu 30 Tote gesehen; in Summe sicherlich schon über hundert Leichen. Menschen, die verunglückt, ertrunken, verbrannt waren oder ermordet wurden. Manchmal eine komplette Familie wie auf dem Bahnübergang in Hohnhorst, oder sogar 20 Tote auf einen Schlag wie bei dem Busbrand in Garbsen im November 2008.


Unfall im Gegenverkehr. Der Autofahrer verbrannte.
Auch wenn ich die Anblicke immer recht gut im Kopf verarbeiten konnte, hat sich der Job im Laufe der Zeit doch auf meine Einstellung zum Leben ausgewirkt. Inzwischen kann ich nur noch sagen: Selig sind die Unwissenden.
Ich möchte jedenfalls gerne mal wieder auf der Autobahn unterwegs sein und nicht plötzlich daran denken müssen, dass ein Brummi durch die Leitplanke brechen und mein Leben in Sekunden auslöschen könnte. Ich möchte mal wieder auf eine Veranstaltung gehen können ohne im Hinterkopf zu haben, dass gewisse Leute bei einem falschen Blick schnell mal ein Messer in die Brust des Gegenübers rammen. Also einfach weniger wissen, was alles passieren kann und blauäugig in den Tag hineinleben können ;-)


Der Oberkörper dieses Autofahrers wurde abgerissen und auf eine Wiese geschleudert, als ein Lastagen auf der A2 die Mittel-Leitplanke durchbrach. Zwei weitere Autofahrer verbrannten in ihren Wracks.
Mag sein, dass es Fotografenkollegen gibt, die das alles kalt läßt. Ich muss beim Nachhausefahren von einem Unglück aber immer daran denken, dass der Betroffene Vater, Mutter, Geschwister oder Partner hatte, die mit dem Verlust klar kommen müssen. Sowas tut mir immer unendlich leid, denn damals als Polizeibeamter habe ich auch selber Todesnachrichten überbringen müssen und gesehen, wie heiles Leben und Angehörige in Sekunden zerbrachen. Wie bei dem 19-Jährigen, dessen Verlobte wenige Tage vor der Hochzeit von einem betrunkenen Mercedes-Fahrer in ihrem Kleinwagen auf der Autobahn regelrecht überrollt worden war. Vielleicht ist es deshalb für einige Kollegen der speziellen Sparte einfacher, weil für sie der Unfall spätestens mit dem Wegfahren von der Unfallstelle aufhört.


Ich hoffe jedenfalls, dass ich niemals zu den Leuten gehören werde, die solche Unglücke in der Familie oder im Bekanntenkreis erleben müssen. Meine Lebenseinstellung hat sich tatsächlich dahin verändert, dass ich jeden Tag genieße und nicht mehr so lange vorausplane.
Mein Fazit: Für den Anfang und den Lerneffekt ist die Arbeit als Polizeireporter sehr gut geeignet, wenn man mit dem was man sieht klar kommt. Doch man sollte irgendwann den Absprung schaffen und auch andere Sachen fotografieren. Ich fahre jedenfalls nur noch ab und zu für Agenturen zu den etwas größeren Unglücken und kann damit ganz gut leben.


Meine Schwerpunkte liegen jetzt ganz klar bei den sonnigen Seiten des Lebens: Fröhliche Shootings und Auftragsarbeiten. Und das ist gut so :-) Mittlerweile frage ich mich sowieso, warum soe viele Unfälle in der Zeitung und online veröffentlicht werden müssen. Aber das ist eine andere Diskussion…
Das folgende Video zeigt euch noch einkmal einen Zusammenschnitt von Fotos meiner bisherigen Arbeit als Polizeireporter. Auch wenn es ein wenig effekthaschend aussieht, ist es doch eher dokumentarisch gedacht. Falls es interessiert: das Video ist mit dem grandiosen Videoservice von Vimeo erstellt worden.
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