Am Sonntag voriger Woche war ich auf dem Opernplatz in Hannover für ein Fotoshooting mit drei Generationen einer Familie unterwegs. Trotz teilweise starken Regens hatten wir eine Menge Spaß und haben ein paar sehr schöne Bilder bekommen. Besondere Freude hat es mir gemacht, die immer noch währende Verliebtheit der Großeltern zu sehen und im Bild einzufangen!


Zunächst hatten die erwachsenen Kinder ihren Eltern nur von einem Portraitshooting mit mir erzählt, bei dem ich sie und eine ihrer Enkelinnen ablichten sollte. Doch nach einer Stunde kam der andere Teil der Familie mit vier weiteren Kindern hinzu – und die Herausforderung begann… ;-)
Ich hatte eigentlich vorgehabt, neben Fotos mit Umgebungslicht auch ein paar Bilder mit Blitzen zu machen. Leider fing es dann kurz nach unseren ersten Fotos langsam an zu regnen, so dass ich mir das schenken konnte. Ich hatte genug damit zu tun, meine Linsen einigermaßen trocken und alle ein bisschen bei Laune zu halten…
Für mich war es das erste Shooting mit einer Großfamilie und vor allem mit einem älteren Pärchen. Mach mal “Fotos von Oma und Opa” hieß es zunächst und wer denkt da nicht an ein älteres Semester im Schaukelstuhl mit den Enkelkindern auf dem Schoß ;-)
Doch diese beiden verkörperten offensichtlich die neue Generation von Großeltern und Senioren: Dynamisch, lebenslustig, in Bewegung und zu alledem immer noch soooooo verliebt – bewundernswert! :-)


Im Laufe meines noch kurzen Berufslebens als Fotojournalist habe ich mir angewöhnt, Dinge einfach mal passieren zu lassen. Meine Nachrichtenagentur will als Auftraggeber authentische Fotos, die nicht gestellt sind (und wenn es nicht anders geht, dann steht es auch so in der Bildbeschreibung und wird nicht als Zufall deklariert).
Und genau so ein journalistischer Stil tut einem Fotoshooting gut. Schreibt man zuviel vor, wird die ganze Stimmung zerstört und die Bilder sehen gestellt aus. Ist jemand verliebt und turtelt, will ich es doch auf den Bildern sehen, oder? Negativ denke ich da an die typischen, immer noch zuhauf gemachten Hochzeitsbilder, auf denen das Paar vor einen Baum gestellt wird und die Anweisung bekommt, sich jetzt doch mal verliebt anzusehen. Nee, die Regieanweisung sieht man hinterher auf den Bildern ja üüüüberhaupt nicht ;-)


Alles, was ich bei einem Shooting deshalb mache, ist, einen groben Rahmen zu geben. Denn als Fotograf ist es ja meine Aufgabe, auch ein schönes Umfeld für die Fotos zu entdecken (wie die Bank auf dem Foto oben, die in Farbe und s/w einen schönen Kontrast gibt) und dann eventuell noch das Blitzsetup aufzubauen. Ich greife nur ein, wenn jemand auf dem Bild eine unglückliche Pose hat oder ich merke, dass der Fotografierte sich ein bisschen hilflos fühlt und einen Denkanstoß braucht. Danach geht das meistens auch von sebst.
Die Mischung aus behutsamem Eingreifen und “Laufenlassen” macht es aus. Dazu gehört als Fotograf aber auch, sich auf die Menschen vor der Linse einzulassen und sie da abzuholen, wo sie stehen…
Doch zurück zum Shooting. Nach etlichen Bildern mit “Oma und Opa” alleine und mit Enkelin kam Teil Zwei der Familie mit weiteren vier Kindern und zwei Erwachsenen hinzu. Und der Regen wurde immer stärker…
Trotzdem haben alle tapfer durchgehalten! Zum Schutz vor dem Regen suchten wir schnell den Portikus des Opernhauses auf, wo Gruppenbilder und Fotos jedes Enkelkindes mit den Großeltern entstanden. Bei etwas gelangweilten oder stocksteifen Kindern hilft es übrigens doch sehr, wenn die Großeltern eine kleine Kitzelattacke auf die Enkel starten ;-)


Hier noch ein Tipp: Relativ zum Ende bin ich auf die Idee gekommen, die Kinder auf mich zulaufen zu lassen (ja, ich weiß, sehr originell). Beim nächsten Mal würde ich das sofort zu Beginn machen, denn erschöpfte Kinder sind leichter zu bändigen, wenn sie sich erstmal ausgetobt haben! :-)
So, genug geschrieben. Jetzt kommen noch ein paar Fotos. Meine Ausrüstung und ich waren nach dem Shooting klitschnass, aber der Tag hat sich doch gelohnt! Trotz der etwas eingeschränkten Möglichkeiten am Opernplatz sind doch sehr schöne Bilder entstanden, wie ich meine.
Die Fotos sind größtenteils mit einer sehr offenen Blende aufgenommen (was einen sehr unscharfen Hintergrund ergibt). Durch die Regenwolken gab es keine harten Schatten im Gesicht…













































12 Kommentare
Ist das nicht der FDP-Mann aus einem der Videos… ;)
Sehr nette Fotos! Vor allem die Action in den “schrägen” Bildern gefällt mir – zum Beispiel bei den/m laufenden Kind(ern).
Genau – zufriedene Kunden kommen immer wieder ;-)
Na Stefan wieder alles gut umgesetzt.
Natürlichkeit,Aktion, Schwarz /weis ;-),Wolken als Defuser,
nasser Boden als spiegelung.
Mit dem Weitwinkel muss man echt aufpassen – Säule hat stürzende vertikal Linie. Geht ja nicht um Architekturfotografie :-)
Richtig, das 14-24 habe ich mit 14mm Brennweite deshalb auch sehr bedacht eingesetzt, um mal ein paar “andere” verrückte Bilder zu bekommen. Ich war dabei nur wenige Zentimeter von den Kids entfernt – super Linse! :-)
Nochmal eine Nachfrage: Blitz oder Beleuchtung hast Du garnicht genuzt oder?
Beispielsweise bei dem gemeinsamen “Hüpf-Bild” sind die Ecken abgedunkelt. Das kann man sicherlich auch nachträglich machen, aber ist das bei Dir die Sonnenblende gewesen?
Danke & Gruß
Nee, alles ohne Beleuchtung oder Blitz. Die abgedunkelten Ecken sind in Lightroom hinzugefügt worden (google mal nach Lightroom & Vignette)
Klasse, welches Ergebnis Du bei solchem Wetter mit ganz normalen Leuten erzielst!
Hast Du nachträglich mehr gemacht außer schärfe und Kontrast? Bestimmt nicht oder ;-)
Hi Ben,
ich habe das Shooting in raw aufgenommen, also als Rohdaten, da man dort später sehr viel mehr “herausholen” kann als bei fertigen jpeg’s.
Tatsächlich habe ich am Weißabgleich so gut wie nichts mehr gedreht (Nikon ist da echt eine Wucht!), allerdings in Lightroom die “Lebendigkeit” auf ca. 20-25 hochgedreht, da die Farben damit einfach mehr “poppen” und das graue Wetter in den Hintergrund rückt ;-) Übrigens sollte man nicht die Sättigung hochdrehen, im Gegensatz zur Einstellung “Lebendigkeit” werden hier auch die Gesichter knalliger…
Dann noch mehr Schwarzanteile und mehr Kontrast, dazu immer wieder mal eine Variation von Vignetten. Da sollte man aber aufpassen, dass es 1. nicht immer die gleichen sind, und 2. auch nicht überhand nimmt. Ist ja blöd, wenn alles gleich aussieht ;-)
Insgesamt sind 240 Bilder dabei herausgekommen. Eine Heidenarbeit, die individuell zu bearbeiten ;-)
Ich hoffe, das hat dir etwas geholfen!
Ich habe da auch noch eine Frage: Du hast ja eine D3 und eine D700 gibt es da deiner Meinung einen Unterschied (Präzision/Schnelligkeit) beim AF oder sind die wirklich identisch? Echt tolle Fotos hast Du da gemacht!!!!
LG
Jens
Moin, also ich habe ein halbes Jahr mit der D700 gearbeitet und mir dann die D3 dazugeholt. Ich kann ja nichts belegen, aber vom Gefühl her ist die D3 irgendwie “runder” als die D700 mit Batteriegriff.
Sicher haben beide das selbe AF-System, aber irgendwo müssen die damals 1.300 Euro Preisunterschied ja herkommen. Ich habe beim gleichzeitigen Benutzen beider Kameras das Gefühl, dass die D3 akkurater arbeitet und auch die Belichtungsautomatik einen Hauch besser werkelt…
Mit dem Kauf einer D700 solltest du aber jetzt generell warten, falls geplant. Hab was läuten gehört, dass in sehr kurzer Zeit ein Nachfolger herauskommt. Man kann vermuten, dass dieser dann den Chip der D3s haben wird…
Hallo Stefan! Vielen Dank für dein nettes und ausführliches Feedback über D700 und D3 LG Jens
Immer gerne wieder!