Wie knuddelig! Am Dienstag (11. Mai 2010) ist im Zoo Hannover ein Elefantenbaby geboren worden. Heute wurde das Tier nun zusammen mit Mutter Farina (7) der Presse vorgestellt.


Das Besondere an diesem Termin war aber nicht die Geburt an sich: Es war das zweite Baby innerhalb von nur fünf Tagen, zu denen noch drei in diesem Jahr erwartet werden. Bei einem Termin am Muttertag (vergangener Sonntag) hatte der Zoo bereits das kleine, noch namenlose, Mädchen von Elefantendame Sayang (14) vorgestellt – übrigens ein klug gewählter Termin, denn gerade in Amerika liefen die Bilder unter dem Tenor “It’s Elephant Mother’s Day too” in etlichen Zeitungen/Webmagazinen.
Heute ging es für uns Fotografen nun deshalb darum, beide Tiere gemeinsam und sehr eng (“close”) vor die Linse zu bekommen. Aber das gestaltete sich schwierig…
Ich liebe es absolut, Tiere zu fotografieren. Denn sie sind im Vergleich zu z.B. Politikern unberechenbar(er) und es ist eine echte Herausforderung, sich minutenlang mit dem Blick durch den Sucher zu konzentrieren, um nicht DEN vielleicht einzigen perfekten Blick oder Moment zu verpassen. Oft genug habe ich bei meinen ersten Zooterminen gegen die erfahreneren Kollegen “verloren” und viel Lehrgeld bezahlt, weil ich zu unkonzentriert war. Mittlerweile habe ich mir deshalb antrainiert, mich nicht mehr durch das Drumherum ablenken zu lassen und den Blick nicht mehr von den Tieren zu nehmen.
Wie eng und wuselig es bei so einem Termin zugeht, hat Steffi am letzten Sonntag mal mit dem iPhone aufgenommen:


Heute mussten wir allerdings lange warten, bis sich der “goldene Schuss” ergab. Immer wieder versteckten sich die Kleinen hinter den Müttern, und wenn sich eines mal aus der Deckung traute, war das andere verdeckt oder zu weit weg.
Auch bei mir wurde deshalb der Arm, auf den das 70-200 mit 2xKonverter an der D3 gestützt war, immer schwerer (ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit einem Einbein zwar entspannter stehen kann, aber wesentlich unflexibler in so einer engen Reihe bin, falls sich die Tiere plötzlich sehr stark nähern).
Hilfreich ist es übrigens, mit dem linken Auge durch den Sucher zu gucken und gleichzeitig mit dem rechten die Umgebung ausserhalb des eingeschränkten Sucherfeldes wahrzunehmen, es also nicht zuzukneifen. Eine Technik, die ich während der Zeit als Blaulichtreporter antrainiert habe, und die auch bei Tieren Sinn macht. ;-)
Dann, nach knapp zehn langen Minuten, ergab sich endlich für wenige Sekunden ein perfektes Motiv. Das (schon ziemlich kecke) Mädchen näherte sich dem Jungen und reckte den Rüssel zu seinem Halbgeschwisterchen. Genau vier Bilder im Serienmodus (8 Bilder/Sek.) habe ich von der Situation auf dem Chip, dann war der Moment vorbei.
Und dies ist das Resultat:


Anschliessend schoss ich noch ein paar Fotos, die mir trotz Knuddeleffekt alle nicht mehr so gut gefielen wie das obige. Aber über Geschmack lässt sich ja streiten:






Fällt euch etwas am letzten Bild auf? Das Auge der Mutter ist nicht scharf, was ich sehr schade finde. Dummerweise ist das physikalischisch kaum zu vermeiden. Je länger die Brennweite ist, desto kürzer wird der Bereich der Tiefenschärfe. Dies ist bereits Blende 8 bei 320 Millimetern (und ISO 640). Als Faustregel gilt allerdings “Belichtungszeit = mind. die Zahl der Brennweite”, also bei 320mm = mind. 1/320s. Bliebe also nur, die Blende weiter zu schließen. Doch dann müsste die ISO-Zahl wieder erhöht werden, um nicht die Zeit verlängern zu müssen. Gerade bei Tageslicht ist das mit den hohen ISO-Werten aber so eine Sache. Ein Teufelskreis!
Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Es lohnt sich immer, die Augen auf dem Weg zu oder von einem Pressetermin offenzuhalten. Manchmal ergeben sich Bilder, die besser laufen als das eigentliche Thema. Immerhin ist man ja Bildjournalist/Fotograf und ein Bild kann auch dann toll und ansprechend sein, wenn keine große Geschichte dahintersteckt ;-)
So sah ich neulich bei einem Presserundgang anlässlich der Eröffnung der sehr schönen neuen Australien-Anlage im Zoo Hannover einen gähnenden und ab und zu verträumt schauenden Leoparden in seinem Gehege, als ich etwas abseits der “Meute” ging. Die Bilder sind weltweit gedruckt worden.








Vielen Dank für euer Interesse, ich hoffe es waren einige Tipps für euch dabei! Habt ein schönes Wochenende – vielleicht ja auch im Zoo Hannover? :-)
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