Ganz Deutschland schwitzt – und ganz ehrlich: Den Sommer haben wir uns doch verdient, oder? Schon am Wochenende vor zwei Wochen war es ziemlich warm, als ich mit Steffi’s Hilfe genau um “High Noon” herum ein kleines einstündiges Fotoshooting mit Sandra und Stephan veranstaltet habe, die am Morgen geheiratet hatten.


Wer ab und zu meinen Blog liest, wird sich vielleicht noch an die beiden erinnern. Gut einen Monat zuvor hatten wir die beiden bei einem Kennenlern-Shooting im alten Hauptgüterbahnhof in Hannover fotografiert. Durch unseren ersten “Versuch” wussten die beiden genau, was auf sie zukommen würde und waren sehr entspannt.
Als Location hatte ich den beiden den Nordstadtbahnhof in Hannover vorgeschlagen. Ich konnte bisher schon einige Fotos bei Flickr von diesem Bahnhof bewundern und war auch beim Vorbeifahren immer sehr angetan von den blauen Glasbausteinen, mit denen der Treppenabgang zum Bahnsteig gebaut worden war. Warum also nicht mal ein Hochzeitspaar dort ablichten?
Schon für das Kennenlern-Shooting hatten Sandra und Stephan den Wunsch geäußert, nicht in einer “kitschigen” Umgebung fotografiert zu werden. Auch für die Hochzeitsbilder hatten sie sich gewünscht, bitte nicht die typischen “Pärchen am See vor einem Baum”-Bilder zu machen – was mir sehr entgegenkam ;-)
Unser einziges Problem bei diesem Shooting hätte der Publikumsverkehr im Bahnhof werden können. Doch die Leute reagierten eher erfreut und ich weiß nicht mehr, wie oft wildfremde Menschen Sandra und Stephan fröhlich alles Gute gewünscht haben. Von den hupenden Autofahrern nicht zu schweigen ;-)
Ich meine, die Kulisse passte genau für die beiden, die ein wirklich schönes Paar abgeben. Nach den “Pflichtbildern” sind wir zum Ende noch auf einen alten Abstellplatz gefahren, auf dem große hölzerne Kabeltrommeln herumstanden. Das hat die Fotoserie mit nicht ganz so reinen Linien und Formen passend ergänzt.
Hier sind nun einige Bilder. Wer Interesse an der Technik hinter den Bildern hat, möge bitte nach den Fotos weiterlesen!


















































Hoffentlich haben euch die Bilder ein bisschen gefallen ;-)
Hier kommt noch ein wenig Info zur Technik:
Im Bahnhof sorgte die durch die blauen Kacheln scheinende Sonne für ein bläuliches Licht (logisch ;-)) Damit das Brautpaar trotzdem “normal” aussah, mussten wir das Umgebungslicht abblenden und das Paar mit einem Blitz ausleuchten. Dazu habe ich den Ranger RX Speed benutzt, der es maximal auf 1100 Wattsekunden bringen kann. Der Vorteil gegenüber dem Quadra ist neben der höheren Leistung (beim Quadra nur 400 Ws) vor allem die viel schnellere Ladezeit zwischen zwei Blitzen.
Beim Kennenlernshooting hatte ich “nur” den Quadra zur Verfügung und habe einige schöne Momente der beiden verpasst, während ich auf das “Piiiiiep” der Blitzbereitschaftsanzeige gewartet habe, das bei voller Leistung schon mal 2.5 bis 3.5 Sekunden auf sich warten lässt – bei einem herumalbernden Paar eine Ewigkeit. Danach war ich so frustriert, dass ich den Ranger geordert habe. ;-)
Also, hier mal als Beispiel ein Foto aus dem Bahnhof ohne Blitz und dann mit Blitz.




Nikon D3 mit Nikkor 35mm / ISO 100, Blende 4, 1/160s, Elinchrom Ranger durch einen Schirm geblitzt
Ich denke hier wird deutlich, wie man das eigentliche Hauptlicht “Sonne” abschwächen und zum “Umgebungslicht” degradieren muss, damit man dann von vorne ein neues Hauptlicht setzen kann.
Durch die krasse Power des Ranger RX konnte ich auch bei Fotos außerhalb des Gebäudes den Himmel extrem abdunkeln. Die nächsten Bilder sind wieder einmal ein Beweis dafür, dass Blitzen manchmal einfach nötig ist, um heftige Unterschiede zwischen verschiedenen Bildpartien auszugleichen.


Ohne Blitz, nur mit Umgebungslicht. Da Sandra und Stephan im Schatten standen, musste ich länger belichten, eine offenere Blende wählen und somit den Himmel überbelichten. Das schöne Blau ist futsch... (ISO 100, Blende 4, 1/160s)


Jetzt mit ISO 100, Blende 9 und 1/250s


Und dazu der Ranger durch einen Schirm geblitzt. Die 1/250s waren die Obergrenze für die Blitzsyncronzeit, deshalb blieb nur, die Blende weiter zu schliessen, was aber mehr Blitzleistung erfordert.
Ich meine, die Bilder demonstrieren ganz gut, warum ein Blitz schon Sinn macht. Das Ganze hätte man sicher auch mit zwei Speedlites durch einen Schirm hinbekommen, mir wäre die Ladezeit aber einfach zu lang gewesen. Aber es ginge!
Übrigens haben wir bewusst nicht die 135cm Octabox benutzt. Wie geschrieben, mussten wir zwischen dem normalen Publikumsverkehr unsere Fotos hinbekommen und immer wieder Platz machen, wenn Passanten kamen. Deshalb haben wir nur einen Durchblitzschirm benutzt, der sich schnell zusammenklappen lässt.


Hier seht ihr Steffi mit dem über die Schulter gehängten Ranger und dem eingeklappten Schirm
Und noch zwei Fotos: Hochstehende Mittagssonne ist für Fotografen ziemlich ungünstig, da die Sonnenstrahlen doch recht heftige Schatten produzieren. Doch mit einem starken Blitz und einer Softbox kann man auch hier die Sonne überpowern und die Schatten mildern.


Ohne Blitz - die Sonne kommt von links oben, ein großer Teil von Sandra liegt im Schatten


Hier kam nun der Ranger durch eine 135cm-Octabox zum Einsatz. Schon sieht das Bild viel netter aus ;-)
Ja, warum dreht man sie dann nicht einfach in die Sonne, um die Schatten zu vermeiden? Klar, um ein Zusammenkneifen der Augen zu vermeiden…
So, ich bin mal wieder am Ende. Nebenbei läuft das Deutschlandspiel gegen Uruguay auf dem zweiten Monitor und ich drücke unseren Jungs noch 20 Minuten die Daumen.
Ich hoffe, ihr habt ein bisschen was für euer Hobby mitnehmen können. Bei Fragen schreibt diese bitte als Kommentar, dann kann jeder Leser von den Antworten und der Diskussion profitieren! :-)
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