Moin moin!
Vor einigen Wochen schon habe ich mir die neue Nikon D7000 zugelegt. Ich war zuvor immer ganz neidisch gewesen auf die Besitzer der D3s oder der Canon 5D MkII bzw. 1D Mk IV, die mit den Foto-Optiken HD-Videos im Filmlook erstellen konnten. Nachdem ich mir etliche, wahrscheinlich hunderte, Videos bei Vimeo.com angeschaut hatte (besonders dieses Video hatte es mir sehr angetan), war die Begeisterung ziemlich groß und es stellte sich immer mehr das “Haben wollen” ein.
Damals, vor der D7000, bot Nikon ja schon die D90 und die D300s mit HD-Video an. Allerdings hatte mich immer abgeschreckt, dass man dort offenbar nicht vollständig manuell die Belichtung einstellen konnte und die Automatik deshalb ständig die Helligkeit auf- und zuzog, was mich wahnsinnig genervt hätte – schließlich möchte ich die Kamera kontrollieren und nicht umgekehrt. Und der Autofokus musste vor dem Beginn der Aufnahme eingestellt werden.


Kombi D7000 mit dem 70-200 2.8 VR (I) und dem TC 2x
Alle diese Kritikpunkte waren in der D7000 beseitigt worden, so dass ich sie mir Mitte Januar kaufen konnte. Vielleicht ein kleiner Tipp: Oft findet man gute Online-Angebote auch, wenn man nicht über Portale wie preissuchmaschine.de geht. Ich habe meine Kamera bei alpafoto gekauft. einem Fotofachhändler aus Neuwied am Rhein der Ware verkauft, die für den deutschen Markt bestimmt ist. Dabei habe ich ganz gut gespart, denn neben dem Body brauchte ich noch einen Batteriegriff (der variierte online zwischen 210,- und 310 Euro!), drei zusätzliche Akkus und zwei SDHC-Videospeicherkarten mit 8 und 16 GB.
Da lag die lange erwartete Kamera also endlich auf meinem Schreibtisch, doch ich hatte leider keine Zeit, sie mal (bis auf ein paar Schnellschüsse in Hamburg) ausführlich zu testen. Es war einfach zu viel los – sehr ärgerlich.
Dank des Wettergotts fiel aber nun am letzten Sonntag die Partie HSV gegen St. Pauli aus, bei der ich eigentlich die Agenturkollegen in HH wegen möglicher Krawalle unterstützen sollte – und ich hatte Zeit, in den Zoo zu fahren und die D7000 mal ausführlich zu testen!


Ein Wolf in Yukon Bay: Brennweite 600mm, ISO 1600, Blende 5.6 bei 1/160s
Der Sensor der D7000 nimmt mit 16,1 Megapixeln rund 4 Millionen Pixel mehr auf als die D3/D700. Weil sich dadurch das Rauschverhalten verschlechtern kann, wollte ich einfach mal sehen, wie sich die D7000, die ja einen etwas günstigeren Sensor als die D3/D700 hat, bei höheren ISO-Werten bis zu 1600 bei dunklem Tageslicht schlägt. Nachts hatte ich schon ein paar kurze Testclips gedreht und war selbst bei 2500 ISO sehr angetan.
Was soll ich sagen: Die Fotos bei dunklerem Tageslicht waren immer noch selbst bei 1600 ISO zu gebrauchen. Ich habe die hier zu sehenden Bilder in RAW fotografiert und danach in Aperture 3 verarbeitet und als jpeg exportiert. Die Fotos sind NICHT entrauscht!


Flamingo, 600mm Brennweite bei ISO 1250, Blende 5.6 bei 1/800s
Bei Facebook kam die Frage auf, wieso ich nur 1250 bis 1600 ISO benutzt habe. Das hatte folgende Gründe: Bei der Kombination von 70-200 mit dem 2-fach Telekonverter ergibt sich eine Brennweite von 140 bis 400 mm. Rechnet man den Cropfaktor von 1.5 noch hinzu, landet man bei minimum 210 bis maximum 600 mm Brennweite.
Je länger die Brennweite, desto mehr wirkt sich aber jede kleine Bewegung auf das Bild aus. Deshalb gibt es die Faustregel, dass die Belichtungszeit mindestens die Zahl der Brennweite sein soll (zB. Brennweite 200mm = mindestens 1/200s). Durch einen Image Stabilizer (bei Nikon VR = Vibrance Reduction oder so genannt) kann man nochmal zwei bis drei Schritte drunter liegen, da das Bild halt stabilisiert wird.
Bei 600mm hätte ich als geübter Fotograf also mindestens eine 1/500, mit VR eine 250/s Sekunde haben müssen, wobei natürlich auch wichtig ist, was ich fotografiere. Da Tiere sich meistens bewegen, sollte die Belichtungszeit also auch nicht so langsam werden, dass die Bewegungen unscharf werden…


315mm Brennweite, ISO 1600, Blende 5,6 bei 1/250s
Dazu kommt ein Problem bei der Nutzung des Telekonverters, der leider die offenste Blende verdoppelt, also im Fall des 70-200 mit 2.8 wird daraus eine Blende von Minimum 5.6. Wer nun schonmal bei dunklen Wolken eine kurze Verschlusszeit fotografiert hat wird merken, dass es ohne eine offenere Blende nicht geht. Nicht umsonst haben Sportfotografen Linsen mit einer Anfangsblende von 2.8, die dann aber im Telebereich locker mal die 8.000 Euro Marke durchbrechen, um noch so schnell fotografieren zu können, dass Sportler in Action immer noch knackig “eingefroren” werden.
Wenn ich also bei Blende 5.6 (oder, für höhere Tiefenschärfe, 8.0 oder höher) trotzdem eine schnelle Verschlusszeit benutzen möchte, muss ich die ISO hochdrehen. Das geht allerdings nicht unendlich – je günstiger die Kamera, desto schneller rauscht das Bild ziemlich stark. Zum Vergleich: Wo ich mit meiner Canon 5D damals bei 1600 ISO schon merkliches Rauschen hatte, kann ich die Nikon D3 heute bis 5000 ISO hochschrauben, bis ich das gleiche Rauschen bekomme (bitte nicht wissenschaftlich verstehen, sind subjektive Wertungen!)


420mm Brennweite, ISO 1600, Blende 5.6 bei 1/320s
Alles in allem bin ich mit der D7000 auch unter diesen hohen ISO-Werten sehr zufrieden. Sie wird definitiv meine neue Kamera für Zoo-Termine. Mit ihren 16,1 Megapixeln kann ich sogar noch etwas aus dem Bildinhalt herauscroppen, ohne dass die Bilddatei zu klein für den Druck wird.
Was mich aber WAHNSINNIG NERVT: Bei der D700, der D3, der D300(s) und der D90 kann man die mittlere Taste des Steuerkreuzes so konfigurieren, dass man sofort 100 Prozent des Bildinhalts um den aktivierten Fokuspunkt sieht, damit man die Schärfe beurteilen kann. Das geht bei der D7000 NICHT! Wer es gewohnt ist, vermisst das Feature schmerzlich. Außerdem kostet es manchmal wertvolle Zeit, mit zwei Händen reinzuzoomen, besonders, wenn man einen Blitz in der linken Hand hält ist das sehr umständlich.
Also, Nikon: Was soll das??????????


Brennweite 375mm, ISO 1250, Blende 5.6 bei 1/400
Im Videobereich hat sich die D7000 hervorragend geschlagen. Das Video hier unten habe ich ebenfalls mit hohen ISO-Werten gedreht. Teilweise in A-Modus und im manuellen Modus. Wichtig zu wissen: Im manuellen Modus kann man die Blende nur ändern, wenn nicht aufgenommen wird! Die Zeit ist jedoch auch während des Filmens zu ändern…
Noch ein Wort zum Fokus: Es gibt die Möglichkeit, den Fokus auch während der Aufnahme kontinuierlich laufen zu lassen. Das sieht aber meistens nicht sehr schön aus, da das Objektiv nicht sanft den Fokuspunkt sucht, sondern oft anfängt wild zu pumpen. Ratsamer ist das manuelle Fokussieren am Objektiv oder, wenn sich Objekte nicht so stark bewegen, im Single AF zu fotografieren und dann einfach immer wieder, während die Aufnahme läuft, halb auf den Auslöser zu drücken und so den Fokus nachzujustieren.
So, hier ist nun das Video mit einem Zusammenschnitt aus nichteditierten Filmen direkt aus der Kamera. Ich habe extra die Zooms und Nachfokussierungen nicht rausgeschnitten, damit ihr das auch nachvollziehen könnt. Viel Spaß :-)
Für RSS-Feedleser der Direktlink: http://www.youtube.com/watch?v=k—db4wjwY
Hier gibt’s jetzt noch ein paar Fotos aus dem Zoo mit der D7000, immer mit ISO zwischen 1250 und 1600. Über eure Kommentare freue ich mich natürlich und versuche wieder, eure Fragen zu beantworten! :-)































6 Kommentare
Hallo, Stefan Simonsen!
Ich finde Deinen Bericht über Deine neue Nikon D7000 sehr interessant und lehrreich für mich.
Über mich: Dazu muss ich Dir sagen, dass ich vor ca. 10 Jahren angefangen habe als “totaler” Laie zu fotografieren. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich schwerhörig und musste meine Arbeit aufgeben.
Besonders die Tiere im Zoo Hannover mag ich sehr gern.
Und ich finde, Du kannst die Tiere im Zoo (für mich) auch besonders gut fotografieren.
Das sind nicht “nur” Fotos. Das ist “Leben!” Deine Bilder sagen für mich mehr aus, als Worte! Besonders gern sehe ich die Wölfe.
Dein Video von den Tieren ist auch absolut Spitze für mich.
Vielen Dank für Deine wunderbaren Bilder!
Viele liebe Grüße senden Dir
Irmtraud und Peter Reck
Hallo Irmtraud,
vielen Dank für die schönen Worte! Genau das bedeutet mir mehr als Geld – wenn sich jemand freut und ich ihn ein bisschen im Inneren berühren konnte :-)
Vielleicht sehen wir uns ja bald mal bei einem der Workshops, oder du kommst einfach mal im Zoo dazu. Ich werde nach dem schönen Erlebnis am Sonntag versuchen, mich wieder öfter da blicken zu lassen.
Ich wünsche euch noch viel Spaß mit meinem Blog und meinen Fotos und freue mich sehr über Anregungen und Kommentare!
Das erste Wolfbild ist DER HAMMER!!
VG Ulrich
Hallo Stefan,
durch Zufall bin ich auf Deine Seite geraten, da ich Informationen zur Nikon D7000 suchte.
Erst einmal meine Anerkennung für die Zoobilder. Sie sind grandios.
In diesem Zusammenhang sprachst Du auch über ein bestimmtes Features der Nikon D7000, die im Gegensatz, z.B. zur Nikon D90, jetzt nicht mehr zur Verfügung steht:
“Was mich aber WAHNSINNIG NERVT: Bei der D700, der D3, der D300(s) und der D90 kann man die mittlere Taste des Steuerkreuzes so konfigurieren, dass man sofort 100 Prozent des Bildinhalts um den aktivierten Fokuspunkt sieht, damit man die Schärfe beurteilen kann. Das geht bei der D7000 NICHT! Wer es gewohnt ist, vermisst das Feature schmerzlich. Außerdem kostet es manchmal wertvolle Zeit, mit zwei Händen reinzuzoomen, besonders, wenn man einen Blitz in der linken Hand hält ist das sehr umständlich.
Also, Nikon: Was soll das??????????”
Ist hiermit eventuell eine Sucherlupe gemeint, die bereits vor bzw. bei der Aufnahme das anvisierte Objekt im Sucher vergrössern kann?
Wenn ja, so meine ich über die Nikon D300 und D90 gelesen zu haben, dass sie keine Sucherlupe besitzen? Oder meinst Du Aufnahmen im Liveview-Modus?
Mich würde dieses Detail brennend interessieren, denn ich kann mir sehr gut vorstellen, das dies zur Schärfeermittlung gerade bei langen Brennweiten sehr hilfreich sein kann.
Wie genau ist Deine Vorgehensweise bei der Nikon D7000, wenn Du die Schärfe genauer beurteilen willst?
Über eine Nachricht würde ich mich sehr freuen!
Vielen Dank.
Hans-Heinz Hemmann
Hallo Hans-Heinz,
ich versuche mal, es einfacher zu beschreiben: Drückt man auf den mittleren Knopf mit der Aufschrift OK zwischen den Pfeiltasten nach oben, unten, links und rechts auf der Rückseite der Kamera, zoomt die D3/D700 automatisch in eine 100%-Vergrößerung auf den Punkt im Bild, auf dem der Fokuspunkt bei der Aufnahme eingestellt war.
Bei der D7000 muss ich erst mit der linken Hand die Plustaste der Lupenfunktion mehrfach drücken, lande so aber nur in der Bildmitte und muss deshalb noch mit dem Steuerkreuz im Bild dorthin navigieren, wo ich scharfgestellt hatte. Klar, dass das immens Zeit kostet…
Ich hoffe, das hat Dir etwas mehr geholfen! :-)
Viele Grüße
Stefan
Ich bedanke mich für deine Antwort. Jetzt ist es klar geworden.
Gruß
Hans-Heinz